Sonntag, 30. November 2014

I may be troubled but I'm gracious in defeat



„Als ich nach einem simplen Abendessen auf die Veranda hinausgehe, funkeln über mir unzählige Sterne. Sie scheinen nicht fern am Himmel zu stehen, sondern zum Greifen nah zu sein. In keinem Planetarium gibt es so viele Sterne. Einige sind umheimlich groß und deutlich zu sehen. Als bräuchte ich nur die Hände auszustrecken, um sie zu berühren. Die Schönheit dieses Anblicks nimmt mir schier den Atem. Aber nicht allein die Schönheit. Ja, denke ich, die Sterne leben und atmen, ebenso wie die Bäume im Wald. Und sie sehen mich. Sie wissen, was ich getan habe und was ich noch tun werde. Ihren Blicken kann ich nicht entfliehen. Unter diesem funkelnden Himmel befällt mich abermals die Angst. Ich bekomme keine Luft, und mein Herz rast. Mein ganzes Leben lang bin ich von dieser erschreckenden Anzahl von Sternen beobachtet worden und habe nichts davon gemerkt. Nicht ein einziges Mal habe ich bisher richtig über die Sterne nachgedacht. Und das gilt nicht nur für die Sterne. Wie viele Dinge es wohl noch auf der Welt gibt, von denen ich nichts weiß und die ich nicht bemerkt habe? Bei diesem Gedanken empfinde ich eine hoffnungslose Ohnmacht, eine Ohnamcht, der ich nicht entkommen kann.”
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„Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. Wieder änderst du die Richtung. Und wieder schlägt der Sturm den gleichen Weg ein. Dies wiederholt sich Mal für Mal, und es ist, als tanztest du in der Dämmerung einen wilden Tanz mit dem Totengott. Sturm ist jedoch kein beziehungsloses Etwas, das irgendwoher aus der Ferne heraufzieht. Eigentlich bist der Sandsturm du selbst. Etwas in dir. Also bleibt dir nichts Anderes übrig, als dich damit abzufinden und, so gut es geht, einen Fuss vor den Anderen zu setzen, Augen und Ohren fest zu verschließen, damit kein Sand eindringt, und dich Schritt für Schritt heruaszuarbeiten. Vielleicht scheint der auf diesem Weg weder Sonne noch Mond, vielleicht existiert keine Richtung und nicht einmal die Zeit. Nur winzige, weiß Sandkörner, wie Knochenmehl, wirbeln bis hoch hinauf in den Himmel. So sieht der Sandsturm aus, den ich mir vorstelle.
Natürlich kommst du durch. Durch diesen tobenden Sandsturm. Diesen metaphysischen, symbolischen Sandsturm. Doch auch wenn er metaphysisch und symbolisch ist, wird er dir wie mit tausend Rasierklingen das Fleisch aufschlitzen. Das Blut vieler Menschen wird fließen, auch dein eigenes. Warmes, rotes Blut. Du wirst dieses Blut mit beiden Händen auffangen. Es ist dein Blut und das der Vielen. Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms.”
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„Alles ist eine Frage der Vorstellungskraft. Unsere Verantwortung beginnt in der Vorstellung. Yeats hat einmal geschrieben, >In dreams begin responsibilities< Die Verantwortung beginnt im Traum.
Irgendjemand ist der eigentliche Urheber dieses Traums, aber du hast seinen Traum geteilt. Daher musst du für das, was in diesem Traum geschehen ist, Verantwortung übernehmen. Denn schließlich ist es dem Traum gelungen, sich über die dunklen Pfade in deiner Seele bei dir einzuschleichen.”

/Haruki Murakami, Kafka am Strand/

BACKPACK: Persunmall , SHOES: Vagabond

Dienstag, 25. November 2014

Small things



Nimmst du regelmäßig deine Vitaminen?
Isst du jeden Tag Obst und Gemüse?
Gehst du spazieren auf die frische Luft?
Treibst du Sport?
Trinkst du viel Tee?
Ende Oktober kommen meine Eltern, um mich zu besuchen und die Wohnung ist voller Lebendigkeit und Verzweiflung, was meine Alltagsroutine betrifft. Meine Mutter achtet mal nämlich darauf, die oben genannten „Sicherheitsfragen” möglichst tausendmal am Tag zu stellen und dabei meinen Gesichtsausdruck zu fixieren, falls ich vielleicht, aus irgendeinem verrückten Grund dazu neigen würde, sie anzulügen. (Ich weiß schon, über Vitaminen zu lügen ist kindisch und erbärmlich, ich schäme mich!) Es ist schließlich gar nicht egal, ob ihre Tochter ein komplett gesundes Leben führt, oder sich auf ihrem Arbeitsplatz hin und wieder mit verschiedenen Leckereien von Burger King befriedigen lässt. (Da kriegt man doch auch Mitarbeiter-Rabatt und nicht nur für Salate für Ziegen höchtens mee…) Oder es besteht die Möglichkeit, dass man sich ZUFÄLLIG mit den besten koreanischen Fertiggerichten vollstopft, was natürlich keiner macht und wär man doch doof, 3€ für eine Suppe zu bezahlen, dafür sind wir alle bestimmt zu geizig oder?

Nachdem ich die „Alltagsprüfung” bestanden habe, ohne eine Miene zu verziehen, kann ich mal langsam über alles Mögliche eine aussagekräftige Präsentation halten, was mir zuletzt passiert ist. Wie, wann, wo, wieso, mit wem und warum. Alles kommt in Frage, was man sich nur vorstellen kann: meine Wohnungsmiete, meine Mitbewohnerin, die noch gar nicht bei mir wohnt, der Typ, der mir 5€ Trinkgeld gegeben hat, die hübschen Mitarbeiter am Flughafen, die immer ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern, meine immer wieder zurückkehrende Blasenentzündung (heyho, willkommen zurück mein alter Freund), der komische Mann, der mich jeden Tag zum Flughafen verfolgt, meine bleichen Zukunftspläne, die manchmal komplett zu verschwinden scheinen, und meine, ein Leben lang haltende Machtkampf mit dem Kölner Rundfunkbehörde, und die machen mich zu der meist erlebten Frau unseres Jahrhunderts- behaupten meine Eltern zumindest.
Auch wenn meine Familie sich in Deutschland ein bisschen verloren fühlt- was ich eigentlich komplett nachempfinden kann- gibt es trotzdem eine bestimmte Sache, die sie aus Ungarn mitbringen. Die ungarische Mentalität. Sei die Rede von meinem Vater, der tausendmal nachfragt, was Pommes heißt, obwohl er schon die ganze Woche Pommes gegessen hat, der verzweifelt nach kostenlosen Parkplätzen in Friedrichshain sucht, und sich ganz lange beschwert, weil ich für einen Jutebeutel 8€ ausgegeben habe, nicht zu schweigen von meiner Schwesti, die für ein Stück Apfelkuchen 3,50€ bezahlt, um dann später das Ganze in den Müll zu werfen, weil sie doch keinen Hunger hat, oder sei die Rede von meiner Mutter, die mich plötzlich für ein lebendes Wörterbuch hält, und in der Küche nach der Bedeutung jedes einzelnen Dinges fragt: was heißt scharf? Was ist Kümmel? Was bedeutet Pilz?
Jede Frage bestätigt die Tatsache, dass ich wirklich weg bin. Willkommen in meiner Welt.

 


Mittwoch, 19. November 2014

An ocean in between the waves



2:30. Mein Wecker klingelt so laut, dass er wahrscheinlich auch meine Nachbarn aufweckt (eine große Schuldigung von der vierten Etage), es wird also langsam Zeit aufzustehen und wieder an die Arbeit zu gehen. (Wer am Flughafen arbeitet, braucht keinen Schlaf :D)
Ich fahre am Fernsehturm, an der Marienkirche, später am Brandenburger Tor vorbei, und ich kann nicht aufhören, nachzudenken… Oh Gott, wo bin ich nun gelandet?? Das Leben in Berlin ist verrückt, verrückter als ich es mir je hätte vorstellen können. Sechs Stunden am Tag zu schlafen ist ganz normal, die Feststellung „Man braucht täglich 8-9 Stunden Schlaf” ist in Berlin seit langem nicht mehr angesagt. Hier hat man auf solche unnützlichen Tätigkeiten keine(n) Bock(wurst) mehr. Berlin ist durchgedreht, wild und übertrieben, eine Stadt mit einzigartigem Glanz, die eine unerklärlich idyllische Harmonie zwischen Einheimischen und Einwanderern umfasst. (Dann beschweren sich zwei Ausländer auf die S-Bahn wartend, dass es in der Stadt zu viele Ausländer gibt, wa?)
Seit ich intensiv mit meiner Zukunft beschäftigt bin (und am Flughafen fleißig Bockwurst verkaufe), ist mir einmal plötzlich aufgefallen, dass ich gar nicht mehr auf Tumblr surfe… Im Sommer habe ich jeden einzelnen Tag ununterbrochen Tumblr geguckt und verschiedene Bilder von der Außenwelt gespeichert, als wäre ich selbst ein wichtiger Teil davon. Aber dann habe ich all meine Privatfotos sortiert und erkannt, dass ich jetzt genau das Leben habe, das ich mir immer gewünscht habe, als ich auf Tumblr zockte. Jetzt stehe ich im Mittelpunkt und nicht alle Anderen, die ein erfolgreiches, schönes, hübsches Leben führen, solange ich zu Hause gelangweilt in der Wohnung rumlaufe wie ein Zombie, der sein Morgenfutter nicht bekommen hat. Jetzt bin ich diejenige, die mit den Jungs von Tokio Hotel hängt (poetische Übertreibung aber irgendwo muss man ja anfangen :D), mit den deutschen Bloggern Halloween feiert, oder einen Film mit Matthias Schweighöfer dreht (Details kommen bald), nicht zu schweigen von dem ehemaligen Bachelorkandidaten, mit dem ich heute zusammenarbeite.

Berlin ist mein Hollywood
Erklärt der Vollzeitrocker neben mir am Boxi auf N40 wartend. Und ich muss ihm einfach nur Recht geben: nachdem man sich hier eingelebt hat und jede Ecke kennt (Wenn sowas überhaupt in Berlin möglich ist), der will nicht mehr nach LA oder Tokyo, nicht einmal zu der Stadt zurück, wo man aufgewachsen ist und all seine Kindheitsfreunde sind.
Viele von euch fragen mich, ob ich Heimweh habe. Das ist eine sehr gute und verwirrende Frage, weil mein Zuhause in Deutschland ist, das Einzige, was mein Leben ein bisschen schwerer macht, ist die Tatsache, dass ich in Ungarn geboren bin. So habe ich all meine Verwandten, meine kleine Hündin und ein paar Freunde zurückgelassen, die man manchmal natürlich sehr vermissen mag. Aber erst, wenn man im Himmel ankommt, merkt man, dass man bisher in der tiefsten Hölle war.
Seit ich weggezogen bin, bekomme ich von der Welt nur wenig mit. Ich habe keine Ahnung, wo was läuft, ich konzentriere mich nur auf mich selbst und auf die Gegenwart. Alles andere bleibt von mir weit entfernt. Wenn ich meine Augen schließe und langsam einschlafe, geht alles in einer anderen Dimension weiter, die ich von früher schon ganz gut kenne. Ich träume von den Straßen, auf denen ich immer gelaufen bin, von den Bäumen, die ich seit meiner Kindheit immer wieder zu sehen bekam, ich treffe meine ehemaligen Mitschüler, Lehrer und ich schließe meine Eltern fest in die Armen, wie in den guten alten Zeiten.
Einmal klingelt mein Wecker und ich wache in meinem leeren Zimmer auf, etwa tausend km entfernt von der Welt, die ich einmal geliebt und gehasst habe. Ein Traum ist alles, was von meiner Vergangenheit zurückbleibt.

   COAT: SHEINSIDE


Montag, 10. November 2014

Endlich angekommen



Nach einem urstressigen Schuljahr bin ich endlich in Leipzig gelandet, um meinen Umzug in das deutsche Vaterland schön zu feiern. Dank dem unausstehlichen Abistress und Geldmangel konnte ich einfach aus der Hölle nicht weg haha. Aber als ich zu Júdith angekommen bin, wusste ich schon, dass Leipzig mich genauso vermisst hat wie ich die schönen Momente, die ich in der Stadt genossen habe. Die Katzen haben mich mit einem leisen Miau begrüßt und sie haben sich sofort auf meinen Koffer gesetzt genauso, wie in den guten alten Zeiten. Das beste Gefühl ist, wenn auf dich nach einer langen Reise aus Berlin Miyokguk und Kimbap auf dem Tisch warten und du weißt sofort, alles ist beim Alten geblieben.
Ich betrachte Leipzig als ein Verstecksort, ich nenne es einfach „die Insel der Ruhe”. Nach dem wilden Berliner Alltagsleben scheint mir Leipzig manchmal schon ein bisschen eintönig zu sein. (Na klar als Berlinerin hat man für solche Tätigkeiten wie zB. SCHLAFEN gar keine Zeit mehr :D Du musst deine Augen immer offen halten, sonst verpasst du noch irgendwas Spannendes…) Nicht dass ich mich hier hätte ausschlafen können- die Kater haben mich (wie gewohnt) jeden Tag mitten in der Nacht aufgeweckt, da sie mit meinem Fuß spielen wollten (oder was weiß ich, was die mit meinem Bein vorhatten :D), und als ich endlich wieder einschlief, setzte sich der eine auf mein Gesicht, damit ich ihn streichele… Love is in the air..

Und was machen wir als Nächstes? Lautet die Frage.
Wir machen uns immer wieder hübsch, gucken verschiedene Dramas mit übelst nerviger Schleimmusik, gehen zum koreanischen Gottesdienst, wo wir die Einzigen sind, die davon gar kein Wort verstehen, trotzdem gibts food for free für uns alle, wir schauen uns einen schrecklichen Film von Matthias Schweighöfer an, aber es gibt wenigstens etwas ,das ganz positiv ist: dass er im Film komplett nackt erscheint oh-mein-deutscher-Gott (unter „komplett” verstehe ich genau das, woran ihr jetzt denkt ihr Perverslinge) wir meckern, dass wir Pleite sind, dann kaufen einen MAC Lippenstift, weil es gerade reduziert ist, kochen koreanische Gerichte, die wir in einer Minute fressen und dann gehts uns sowasvon schlecht, dann gibts Verdauungsspaziergang zum nächsten Monki, weil man beim Shoppen richtig gut verdauen kann .. (ist ja sicher medizinisch bewiesen, oder? Mit den Glückshormonen undso….)

Und was Schönes habt ihr heute so gemacht? Lautet die nächste Frage.
Ehm… Ähm… naja… Júdith sag schon was! Wir gucken in voller Verlegenheit auf die Andere, denken ganz lange nach, suchen nach möglichen Alternativen aber das Einzige, was uns einfällt ist: pennen. Oh scheiße, wir haben schon wieder den ganzen Tag nur gechillt, Mist!

Eigentlich bin ich froh, dass all meine Freunde komplett verrückt sind. Was sollte ich denn mit ihnen anfangen, wenn ich die Einzige in der Gruppe wäre, die nicht ganz normal ist?
Der Eine ist am Saufen, obwohl er noch nach Hause fahren muss aber er meint halt, dass Ebola noch immer viel gefährlicher ist, als angetrunken nach Hause zu fahren… (die Zeit litten alle Leipziger an chronischer Ebola-Angst, da der Leipziger Doktor aus Afrika mit Ebola zurückkehrte)
Der Andere erzählt, dass sein Hund in Korea höchstwahrscheinlich von einem Nachbarn gegessen wurde (???), dann gibt die Andere zu, dass sie einmal schon aus Versehen Hund gegessen hat, weil ihre Opa ihr glauben gemacht hat, dass es eine Ziege sei… iiiiii lecker

Leider vergeht die Zeit unglaublich schnell, so dass man es gar nicht bemerkt und man ist schon wieder im Bus auf dem Rückweg.
Wenn Leute mich fragen: Wo kommt du denn her? Bist du Ossi oder Wessi? Dann rutscht es fast immer aus, ich käme natürlich aus Leipzig, gottverdammt, ich bin doch Ungarin! Aber naja, Home is where your heart is.


Sonntag, 2. November 2014

A wasted life is worse than death



Everyday thoughts

Are you scared? Or are you not ready? There is a difference.
„Sometimes I remind myself that I almost skipped the party, that I almost went to a different college, that the whim of a minute could have changed everything and everyone. Our lives, so settled, so specific, are built on happenstance.”

You know whats fucking scary? The fact that I could literally change my life at any moment. I could stop talking to everyone that makes me unhappy. I could kiss whoever i want. I could shave my head or get on a plane or take my own life. Nothing is stopping me. The entire world is in my hands, and I have no idea what to do with it.

Imagine everything you ever wanted shows up one day and calls itself your life. And then just when you start to believe in it - gone. And suddenly it gets very hard to imagine a future. That’s depression, right?

You may not see it today or tomorrow, but you will look back in a few years and be absolutely perplexed and awed by how every little thing added up and brought you somewhere wonderful - or where you always wanted to be. You will be grateful that things didn’t work out the way you once wanted them to.

In school we learn that mistakes are bad, and we are punished for making them. Yet, if you look at the way humans are designed to learn, we learn by making mistakes. We learn to walk by falling down. If we never fell down, we would never walk.

Not everything is supposed to become something beautiful and long-lasting. Sometimes people come into your life to show you what is right and what is wrong, to show you who you can be, to teach you to love yourself, to make you feel better for a little while, or to just be someone to walk with at night and spill your life to. Not everyone is going to stay forever, and we still have to keep on going and thank them for what they’ve given us.
Say the wind blows. It can be a strong, violent wind or a gentle breeze. But eventually every kind of wind dies out and disappears. Wind doesn’t have form. It’s just a movement of air. You should listen carefully, and then you’ll understand the metaphor.
Sometimes you make choices in life and sometimes choices make you.