Samstag, 18. Oktober 2014

Servus Berlin!



Berlin, Berlin… mein Liebes!
Wie ich auf dich gewartet habe, wenn du das wüsstest…
Immerhin scheint diese Liebe gar nicht einseitig zu sein, denn die deutsche Hauptstadt hat mir das allerbeste Begrüßungsgeschenk gegeben. Ein kurzes, aber unvergessliches Date mit den berühmtesten Magdeburgern Deutschlands.

2005. Deutschland rastet wegen einer Band komplett aus, die gegen alle Regeln verstößt. Eine Band, in der der Frontmann wahrscheinlich doch ein Mädchen ist, das nicht einmal singen kann, dann gibts noch diesen komischen Burschen mit den lächerlichen Rastalöckchen, nichts zu schweigen von dem langhaarigen Bassist, der sich mit seiner Körperstruktur eher an einen Pornostar aus den DDR-Zeiten erinnern lässt; und da ist noch Gustav.
Diese vier Magdeburger haben ja die jungen, verrückten, unreifen Teenager-Girls in den Wahnsinn getrieben und ihre Emogefühle wieder ins Leben gerufen.
ACH LEUTE, CHILLT DOCH MAL.

2005. Kinga schaltet den Fernseher ein und sie hört sich das erste Mal einen deutschen Song an.

2009. Kinga fängt an deutsch zu lernen.

2010. Kinga legt die Sprachprüfung der Oberstufe ab.

2014. Kinga zieht nach Berlin. Die deutsche Mission ist nun erfolgreich erfüllt.

Achja, ich habe etwas vergessen zu erwähnen.

29.09.14. Kinga macht sich auf den Weg mit zwei Koffern nach Berlin, ja ganz allein. Ein Gewinnspiel findet am 29. September statt, an dem man aber nur mit deutschem Wohnsitz und deutscher Nummer teilnehmen kann. Ich komme um 7 Uhr an, komplett durch den Wind und unsicher. Ich sehe die Menschen am Berliner Hauptbahnhof und wünschte ich wäre eine von ihnen. Ich mache noch bei diesem Gewinnspiel mit, es soll meine letzte Tätigkeit des Tages sein. Ich gehe ins Bett mit hunderten unbeantworteten Fragen im Kopf.

30.09.14. Ich bin am Bürgeramt, um mich anzumelden. Nach 2 Stunden Warten bin ich dran, nun werde ich zu einer Berlinerin. Am Nachmittag erhalte ich eine Email.

„Herzlichen Glückwunsch, Kinga, du hast bei dem Universal Gewinnspiel gewonnen, du kannst am Donnerstag an der Pressekonferenz von Tokio Hotel teilnehmen”

 Ich verwandle mich in den glücklichsten Menschen auf der Erde. Ich sitze in meinem Bett und schreie so laut ich kann. Ich sage meiner Freundin Bescheid, sie kommt am nächsten Tag zur Pressekonferenz aus Ungarn mit.

02.09.14. In einer Stunde gehts los. Wir haben schon 5 Interviews gegeben. Das Hauptthema ist überall gleich: wir kommen aus Ungarn, wir haben wegen ihnen Deutsch gelernt.
Hinter uns stehen 2 sympatische Fans, die wir spontan ansprechen- so einfach kann man neue Freunde gewinnen.
12:30. Wir können endlich eintreten. Wir sind die VIP Gäste von Universal.
Wir setzen uns im großen Kino, wir warten diesmal auf die Jungs statt Transformers. Nach ein paar Videos und neuen Songs kommen sie endlich raus und setzen sich vor dem großen Publikum. Die Stimmung ist familiär, es fühlt sich so an, als wären wir eine große Familie.
Tokio Hotel mussten wir für 4 Jahre vernachlässigen, da die Zwillinge in die USA flüchteten und eine kleine Pause machten. Jetzt sind alle wieder da, jeder wirkt so erwachsen, auch sie, auch wir, wir sind aufgewachsen. Wir sind durch die Jahre mit ihnen aufgewachsen und sie stehen jetzt genau vor uns.

13:00: Die Autogrammstunde beginnt. In einer halben Stunde sind wir schon dran. Gustav sitzt da, die leiseste Person der Band fängt an sich mit meiner Freundin zu unterhalten. Er redet mehr als bisher in seinem ganzen Leben. SEEEHR GUT, SEEEHR GUT fügt er immer zufrieden hinzu, wenn er ein Cheerleading-Foto von meiner Freundin sieht.
Die nächste Station ist Tom. Meine Freundin erzählt, dass sie uns damals dazu angestachelt haben, mit Deutsch anzufangen und das hat unser ganzes Leben verändert. Wir wären ja gar nicht hier, wenn wir uns damals in sie nicht verliebt hätten. Er lächelt, sagt, dass wir gar keinen Akzent hätten, bedankt sich, dass wir Fans geblieben sind, umarmt uns und macht von uns SELBER ein paar Selfies. Hauptsache wir sehen wie Vollidioten aus, so machts echt viel Spaß.
Vor 4 Jahren habe ich mir vorgestellt, dass ich eines Tages vor der Person stehe, die mich immer inspiriert hat. Ich würde ihm dann sagen, wie geil ich das finde, was er macht. Würde ich es aber auf englisch sagen?? Kommt es nicht blöd vor, dass ich ihm so viel Schönes erzähle, aber selbst die Energie nicht habe, seine Muttersprache zu lernen? Nein. Ich muss Deutsch sprechen. Genauso gut wie er. 
Nach 4 Jahren stehe ich vor ihm und wir betrachten einander für eine Weile. Es muss eine Bestätigung von meinem Schicksal sein, dass es die richtige Entscheidung war, nach Deutschland zu ziehen. Denn in diesen 5 Minuten erzähle ich ihm alles, was mir an dem Herzen liegt. Sei die Rede vom Deutschlernen oder vom Auswandern. Ich sage ihm auch Bescheid, dass ich sogar am Bürgeramt war, und dass ich 16 Uhr einen Termin bei der Sparkasse habe. (Weil er sich dafür sicher sehr interessiert?! xD) Ich bin also noch ganz neu und jung hier, weiß nichts von der Welt, bin selbst bisschen schüchtern und unsicher, aber ich bin auf dem guten Weg und er bestätigt das auch, dass es eine positive Sache war, nach Berlin zu ziehen. Er wünscht mir viel Glück mit meinem Leben, umarmt mich und schickt mich zu Georg. Ich habe schon alles erzählt, was ich wollte, deswegen frage ich Georg, ob es nicht zu anstrengend ist, mit so vielen Fans nett zu sein. Er sagt nein nein, gar nicht, alles klar, seine fröhliche Art erinnert mich an meinen gutgelaunten Chef. Wir geben noch zwei schnelle Interviews für RTL und Pro7, sagen noch kurz Tschüss und wir sind weg. Als hätten wir grade von unseren besten Kumpels Abschied genommen, es fühlt sich ganz natürlich an.

Vielleicht ist es tatsächlich ein Bullshit, oder ich bin einfach wirklich nicht normal. Wie alle Anderen, deren Leben von den Jungs beeinflusst worden war. Es kommt aber nicht drauf an, was oder wen man mag, es spielt keine wichtige Rolle. Letzten Endes sind wir alle nur Menschen, mit unseren Fehlern und Macken, niemand ist besser oder schlechter. Aber Tatsache ist, dass wir eine Wirkung aufs Leben Anderer haben, vielleicht ist es nur ein Song oder ein Videoclip, was uns weiterbringt oder uns den richtigen Weg zeigt.
Es ist mein Weg, hier muss ich sein. Ich hätte schon immer hier sein sollen.


Sonntag, 5. Oktober 2014

It's a great day to say goodbye



It's a great day to say goodbye. It's okay, cause I'll be alright. 

Hallöchen meine schönen Mädels aus dem All^^
Nun melde ich mich wieder und zwar AUS DEUTSCHLAND ringgg ringgg ringgg jackpot wuhuuu yoloswag. Ich glaube ich muss gar nicht erklären, wieso ich so überglücklich wirke, als hätte ich gerade im Lotto gewonnen, ich heule mir die Augen den ganzen Tag vor unausstehlicher Freude aus, sogar während Bewerbungsschreiben heule ich wie ein Bekloppter und in der Zwischenzeit renne ich im Zimmer singend und tanzend herum, weil ich endlich nach fast 10 Jahren die Berliner Sonne aufgehen sehe. Unglaublich würde ich mal sagen!
Mein Leben ist neulich von glücklichen Zufällen bestimmt, ich erlebe so viel, dass ich einfach völlig durch den Wind bin und meine Gefühlsausbrüche gar nicht im Griff haben kann. Ich habe vor einer Woche meinem ungarischen „Ich” Tschüss gesagt und mit 2 Koffern das Land verlassen. Wie ich den Mut dazu hatte? Ich hatte keine andere Wahl, um ganz ehrlich zu sein. Ich habe mich mit Absicht um keine Universität beworben, damit mich sicher nichts von meinem deutschen Traum ablenkt. Ich war damals super begeistert und habe mir alles vorgestellt, meine Zukunft Schritt für Schritt geplant. Genau vor einer Woche hatte ich Lebensangst, allein einfach spontan von zu Hause wegzuziehen und als Ausländerin in einer riesigen Stadt alles von vorne anzufangen. Wenn ich jetzt aber darüber nachdenke, weiß ich gar nicht, ob ich überhaupt neu anfangen soll. Ich hatte nie ein echtes Leben in Ungarn, ich denke an meine letzten zwanzig Lebensjahre zurück, als wäre meine ganze Vergangenheit eine Probezeit gewesen, um herauszufinden, ob ich alles, was erst danach kommt, verdiene oder nicht.
Ich habe für mich dann also ein Zugticket für 39€ besorgt (Krass, fast genauso viel kostet ein Ticket aus Berlin nach Leipzig ohne Reservierung), und habe 12 Stunden gewartet, bis ich endlich aussteigen konnte. Mein Koffer war soo schwer, dass ich mit ihm gar nichts anfangen konnte, deswegen habe ich im Zug einen starken Mann (so sah er zumindest aus) darum gebeten, um mir zu helfen, dann konnte ich an seinen Gesichtsausdruck sofort erkennen, dass er vielleicht noch nie Gewicht gehoben hat, habe dafür wohl nicht die beste Person  ausgewählt… xD Er hat mich extra gefragt, was in diesem Koffer versteckt sein soll, und dann meinte ich: MEIN GANZES LEBEN. Herrje.
So habe ich mich auf den Weg nach Berlin gemacht, mit meinen wichstigsten Dokumenten, mit etwas Geld in der Hosentasche und mit ganz viel Hoffnung irgendwo ganz tief in meinem eiskalten Herzen. Die erste Woche schien mir unglaublich schwer zu sein, aber gott sei Dank haben mich meine Freunde immer gerettet und mir ganz viel geholfen. Vielen Dank, meine Damen und Herren! Ich habe mich in den letzten Tagen angemeldet, nun bin ich offiziell eine stolze Berlinerin! :) Jetzt bin ich ganz schön auf Arbeitssuche, mal sehen wie es mit dem deutschen Traum weitergeht, eins steht schon fest: es ist erst der Neubeginn und mit jedem Atemzug bin ich meinem Traum näher, es gibt kein Zurück… zum Glück..zum Glück kein Zurück.
Mein erster Eindruck ist ganz positiv, noch viel besser, als ich mir das früher vorgestellt habe. In den nächsten Tagen versuche ich noch irgendwas über ein ganz spezielles Event zu posten und zwar von der Tokio Hotel Pressekonferenz am Donnerstag, an der ich selber teilgenommen habe, und die Magdeburger Jungs körpernah erleben und genießen durfte haha. Also bleibt gespannt und brace yourselves, meine Lieben!