Sonntag, 15. September 2013

A city drowned in God black tears



Es ist Freitag Nachmittag. Ich habe eine Verabredung mit XIV. Ludwig, dem Sonnenkönig. Nach unserem Date versuche ich jeden einzelnen Teil der Habsburg Monarchie in den Kopf zu werfen, aber es fällt mir nicht direkt leicht, daran zu erinnern, was ich gestern gebüffelt habe. Plötzlich fließen kleine Tränentropfen fleißig auf meinem Gesicht runter. Es dauert nicht lange, bis ich feststelle, dass ich tatsächlich weine. Seit langem habe ich es nicht mehr geübt, und ich war mir schon sicher, dass ich längst vergessen habe, wie man weint. Aber es scheint zu einfach zu sein und nach ein paar Minuten fängt mein Körper an zu zittern, als stände ich auf Zehenspitzen. Aber es ist nicht wegen Krampf, sondern wegen Schmerz.
Ich erinnere mich noch so lebhaft an den Tag, als wäre es gestern gewesen. An den Tag, als meine Mutti fünfzig geworden ist, und du wolltest sie mit fünfzig unterschiedliche Luftballoons überraschen, die überall in der Wohnung zerstreut fliegen. Du hast mich einfach nur gefragt, was ich davon halte und am Nachmittag warst du schon bei uns, bis meine Eltern in der Türkei im Urlaub waren. Du warst so fröhlich und gut gelaunt, man konnte in deinen Augen die Begeisterung wiedererkennen. Die Begeisterung dafür, dass du deine beste Freundin beschenkst. Ich schwöre, ich vergesse nie deinen Blick, als du mir gesagt hast: Du bist einfach wunderschön, genau wie deine Mutter.” Du hast dann immer meine Haare berührt und ganz breit gelächelt. Du hast dasselbe getan, als wir bei dir im Krankenhaus zu Besuch waren. Ich habe mich gefragt, warum du all das erleben sollst. So viel Schmerz hätte ein kaltherziger Killer auch nicht verdient, ich bezweifle die Anwesenheit Gottes von dem Moment an, als ich dich leiden gesehen habe. Der Sommer ist vorbei, alle Freuden sind von uns weit weg abgetrieben. Wir haben die Hoffnung verloren, du gingst mit ihr.
Es ist 11 Uhr, Glockenspiel. Fremde Menschen sitzen auf einer Bank und weinen ununterbrochen nach ihrer Geliebten. Eine Mutter schreit bitterlich nach ihrer Tochter: „Warum hast du sie mir weggenommen? Wieso tust du mir das an?” Ich versuche die Tränen runterzuschlucken, ich habe aber immer noch einen Kloß im Hals. Gott, schrecklich, das alles zu erleben. Ich weine aber heute nicht, ich überlasse diese Aufgabe meinen Verwandten. Es donnert, der Priester singt irgendwas von der ewigen Ruhe, Menschen frieren sich im starken Wind und furchtbaren Regen. Augen werden rot, Menschen kommen und gehen, Trauer bleibt.
Du hast mich immer wie deine eigene Tochter behandelt. Ich kann es noch immer nicht fassen, dass du mich nie wieder berührst, mich nie wieder anlächelst, immer wieder wenn ich allein zu Hause lernen muss oder in der Schule sitze, muss ich über dich nachdenken. Ich will von diesem Albtraum einfach nur aufwachen, nach deiner Hand greifen, und dir alles bedanken, was du für uns getan hast. Aber jeden Tag muss ich feststellen, dass du nicht mehr da bist, dein Zimmer ist leer, deine Möbel sind raus, deine schicken Klamotten werden von meiner Mutter getragen, die jeden Tag weinend ausbricht. Hoffentlich wird diese Leere in unserer Seele wieder erfüllt. Vielleicht mit der Hoffnung trösten wir uns, dass wir dich im Himmel wiedersehen können, und wir sollten uns von dir nicht für immer und ewig verabschieden. Du wirst uns im Frühling einen Regenbogen schicken, du wirst uns trösten, wenn jemand uns weh getan hat, und du wirst uns an den grauen Alltagen mit Sonnenschein beschenken, du wischst dann unsere Tränen weg, du lächelst uns an und wir lächeln zurück.
Wir schauen uns alte Fotos von dir an. Wir hatten unglaublich viel Spaß, der Schmerz scheint erträglicher zu sein. Ich atme tief ein, ich lasse meine letzten Tränentropfen von dem Wind wegfliegen. Du lebst in unserem Gedächtnis weiter, ich begegne dich im Herbstnebel, mit ausgetrockneter Kehle flüstere ich in dein Ohr: Bleib noch bisschen.

Kommentare:

  1. simply fabolous very oriental mood
    xoxo
    happy monday

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    the simple life of rich people blog

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  2. wenn ich das lese bekomm ich grad Gänsehaut...
    ein sehr berührender Text
    ist bei dir jemand gestorben ? :( hoert sich irgendwie danach an
    & du siehst wieder mal sehr schoen aus :)

    Liebe Grüße

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  3. ich musste gerade auch weinen als ich das gelesen habe..habe am wochenende auch einen schweren verlust hinnehmen müssen und stehe immer noch total neben mir, das ist alles so unwirklich. ich wünsche dir ganz viel kraft!

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  4. Wundervoll schöner, gefühlvoller Text.
    Und die Bilder sind ebenfalls wunderschön, du bist so hübsch!

    Danke für deinen lieben Kommentar. (: Danke, ja, ich werde sagen, wenn ich es probiert habe. (: Nur mal so, woher bekommt man Brennnessel-Shampoo? Habe im örtlichen Drogeriemarkt geschaut, aber nichts gefunden... :/
    Ich hatte schon als Kind eine Liebe zu großen Hunden.^^ Meine Freundin hat einen Rottweiler-Bernhardiner Mischling und der ist entgegen aller Vorurteile der bravste und liebste Hund, den ich je gesehen habe! Das Aussehen eines Rottweilers, das Herz eines Bernhardiners. *-*
    Mich macht die Schule auch ziemlich fertig... Jetzt, in den ersten Wochen, gehts noch so halbwegs mit Aufgaben und Co. aber es spricht alles dafür, dass sich der Kurs spätestens in zwei Wochen gewaltig ändern wird. :( Wünsche dir viel Durchhaltevermögen!
    Liebste Grüße,
    Liz. http://lizinview.blogspot.co.at/

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  5. Hübsches Outfit, obwohls schwarz/weiß ist.
    Und du hast ne richtig tolle Figur! :)

    Liebe Grüße,
    CherryPrincess

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  6. dankeschön,kann ich nur zurück geben!
    es ist leider wahr.. und traurig.
    du hast echt tolle lange beine!*-* und nicen style:)

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  7. Wahnsinns Text und wunderschöne Bilder! Danke für dein liebes Kommentar! <3

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