Dienstag, 25. November 2014

Small things



Nimmst du regelmäßig deine Vitaminen?
Isst du jeden Tag Obst und Gemüse?
Gehst du spazieren auf die frische Luft?
Treibst du Sport?
Trinkst du viel Tee?
Ende Oktober kommen meine Eltern, um mich zu besuchen und die Wohnung ist voller Lebendigkeit und Verzweiflung, was meine Alltagsroutine betrifft. Meine Mutter achtet mal nämlich darauf, die oben genannten „Sicherheitsfragen” möglichst tausendmal am Tag zu stellen und dabei meinen Gesichtsausdruck zu fixieren, falls ich vielleicht, aus irgendeinem verrückten Grund dazu neigen würde, sie anzulügen. (Ich weiß schon, über Vitaminen zu lügen ist kindisch und erbärmlich, ich schäme mich!) Es ist schließlich gar nicht egal, ob ihre Tochter ein komplett gesundes Leben führt, oder sich auf ihrem Arbeitsplatz hin und wieder mit verschiedenen Leckereien von Burger King befriedigen lässt. (Da kriegt man doch auch Mitarbeiter-Rabatt und nicht nur für Salate für Ziegen höchtens mee…) Oder es besteht die Möglichkeit, dass man sich ZUFÄLLIG mit den besten koreanischen Fertiggerichten vollstopft, was natürlich keiner macht und wär man doch doof, 3€ für eine Suppe zu bezahlen, dafür sind wir alle bestimmt zu geizig oder?

Nachdem ich die „Alltagsprüfung” bestanden habe, ohne eine Miene zu verziehen, kann ich mal langsam über alles Mögliche eine aussagekräftige Präsentation halten, was mir zuletzt passiert ist. Wie, wann, wo, wieso, mit wem und warum. Alles kommt in Frage, was man sich nur vorstellen kann: meine Wohnungsmiete, meine Mitbewohnerin, die noch gar nicht bei mir wohnt, der Typ, der mir 5€ Trinkgeld gegeben hat, die hübschen Mitarbeiter am Flughafen, die immer ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern, meine immer wieder zurückkehrende Blasenentzündung (heyho, willkommen zurück mein alter Freund), der komische Mann, der mich jeden Tag zum Flughafen verfolgt, meine bleichen Zukunftspläne, die manchmal komplett zu verschwinden scheinen, und meine, ein Leben lang haltende Machtkampf mit dem Kölner Rundfunkbehörde, und die machen mich zu der meist erlebten Frau unseres Jahrhunderts- behaupten meine Eltern zumindest.
Auch wenn meine Familie sich in Deutschland ein bisschen verloren fühlt- was ich eigentlich komplett nachempfinden kann- gibt es trotzdem eine bestimmte Sache, die sie aus Ungarn mitbringen. Die ungarische Mentalität. Sei die Rede von meinem Vater, der tausendmal nachfragt, was Pommes heißt, obwohl er schon die ganze Woche Pommes gegessen hat, der verzweifelt nach kostenlosen Parkplätzen in Friedrichshain sucht, und sich ganz lange beschwert, weil ich für einen Jutebeutel 8€ ausgegeben habe, nicht zu schweigen von meiner Schwesti, die für ein Stück Apfelkuchen 3,50€ bezahlt, um dann später das Ganze in den Müll zu werfen, weil sie doch keinen Hunger hat, oder sei die Rede von meiner Mutter, die mich plötzlich für ein lebendes Wörterbuch hält, und in der Küche nach der Bedeutung jedes einzelnen Dinges fragt: was heißt scharf? Was ist Kümmel? Was bedeutet Pilz?
Jede Frage bestätigt die Tatsache, dass ich wirklich weg bin. Willkommen in meiner Welt.

 


Mittwoch, 19. November 2014

An ocean in between the waves



2:30. Mein Wecker klingelt so laut, dass er wahrscheinlich auch meine Nachbarn aufweckt (eine große Schuldigung von der vierten Etage), es wird also langsam Zeit aufzustehen und wieder an die Arbeit zu gehen. (Wer am Flughafen arbeitet, braucht keinen Schlaf :D)
Ich fahre am Fernsehturm, an der Marienkirche, später am Brandenburger Tor vorbei, und ich kann nicht aufhören, nachzudenken… Oh Gott, wo bin ich nun gelandet?? Das Leben in Berlin ist verrückt, verrückter als ich es mir je hätte vorstellen können. Sechs Stunden am Tag zu schlafen ist ganz normal, die Feststellung „Man braucht täglich 8-9 Stunden Schlaf” ist in Berlin seit langem nicht mehr angesagt. Hier hat man auf solche unnützlichen Tätigkeiten keine(n) Bock(wurst) mehr. Berlin ist durchgedreht, wild und übertrieben, eine Stadt mit einzigartigem Glanz, die eine unerklärlich idyllische Harmonie zwischen Einheimischen und Einwanderern umfasst. (Dann beschweren sich zwei Ausländer auf die S-Bahn wartend, dass es in der Stadt zu viele Ausländer gibt, wa?)
Seit ich intensiv mit meiner Zukunft beschäftigt bin (und am Flughafen fleißig Bockwurst verkaufe), ist mir einmal plötzlich aufgefallen, dass ich gar nicht mehr auf Tumblr surfe… Im Sommer habe ich jeden einzelnen Tag ununterbrochen Tumblr geguckt und verschiedene Bilder von der Außenwelt gespeichert, als wäre ich selbst ein wichtiger Teil davon. Aber dann habe ich all meine Privatfotos sortiert und erkannt, dass ich jetzt genau das Leben habe, das ich mir immer gewünscht habe, als ich auf Tumblr zockte. Jetzt stehe ich im Mittelpunkt und nicht alle Anderen, die ein erfolgreiches, schönes, hübsches Leben führen, solange ich zu Hause gelangweilt in der Wohnung rumlaufe wie ein Zombie, der sein Morgenfutter nicht bekommen hat. Jetzt bin ich diejenige, die mit den Jungs von Tokio Hotel hängt (poetische Übertreibung aber irgendwo muss man ja anfangen :D), mit den deutschen Bloggern Halloween feiert, oder einen Film mit Matthias Schweighöfer dreht (Details kommen bald), nicht zu schweigen von dem ehemaligen Bachelorkandidaten, mit dem ich heute zusammenarbeite.

Berlin ist mein Hollywood
Erklärt der Vollzeitrocker neben mir am Boxi auf N40 wartend. Und ich muss ihm einfach nur Recht geben: nachdem man sich hier eingelebt hat und jede Ecke kennt (Wenn sowas überhaupt in Berlin möglich ist), der will nicht mehr nach LA oder Tokyo, nicht einmal zu der Stadt zurück, wo man aufgewachsen ist und all seine Kindheitsfreunde sind.
Viele von euch fragen mich, ob ich Heimweh habe. Das ist eine sehr gute und verwirrende Frage, weil mein Zuhause in Deutschland ist, das Einzige, was mein Leben ein bisschen schwerer macht, ist die Tatsache, dass ich in Ungarn geboren bin. So habe ich all meine Verwandten, meine kleine Hündin und ein paar Freunde zurückgelassen, die man manchmal natürlich sehr vermissen mag. Aber erst, wenn man im Himmel ankommt, merkt man, dass man bisher in der tiefsten Hölle war.
Seit ich weggezogen bin, bekomme ich von der Welt nur wenig mit. Ich habe keine Ahnung, wo was läuft, ich konzentriere mich nur auf mich selbst und auf die Gegenwart. Alles andere bleibt von mir weit entfernt. Wenn ich meine Augen schließe und langsam einschlafe, geht alles in einer anderen Dimension weiter, die ich von früher schon ganz gut kenne. Ich träume von den Straßen, auf denen ich immer gelaufen bin, von den Bäumen, die ich seit meiner Kindheit immer wieder zu sehen bekam, ich treffe meine ehemaligen Mitschüler, Lehrer und ich schließe meine Eltern fest in die Armen, wie in den guten alten Zeiten.
Einmal klingelt mein Wecker und ich wache in meinem leeren Zimmer auf, etwa tausend km entfernt von der Welt, die ich einmal geliebt und gehasst habe. Ein Traum ist alles, was von meiner Vergangenheit zurückbleibt.

   COAT: SHEINSIDE


Montag, 10. November 2014

Endlich angekommen



Nach einem urstressigen Schuljahr bin ich endlich in Leipzig gelandet, um meinen Umzug in das deutsche Vaterland schön zu feiern. Dank dem unausstehlichen Abistress und Geldmangel konnte ich einfach aus der Hölle nicht weg haha. Aber als ich zu Júdith angekommen bin, wusste ich schon, dass Leipzig mich genauso vermisst hat wie ich die schönen Momente, die ich in der Stadt genossen habe. Die Katzen haben mich mit einem leisen Miau begrüßt und sie haben sich sofort auf meinen Koffer gesetzt genauso, wie in den guten alten Zeiten. Das beste Gefühl ist, wenn auf dich nach einer langen Reise aus Berlin Miyokguk und Kimbap auf dem Tisch warten und du weißt sofort, alles ist beim Alten geblieben.
Ich betrachte Leipzig als ein Verstecksort, ich nenne es einfach „die Insel der Ruhe”. Nach dem wilden Berliner Alltagsleben scheint mir Leipzig manchmal schon ein bisschen eintönig zu sein. (Na klar als Berlinerin hat man für solche Tätigkeiten wie zB. SCHLAFEN gar keine Zeit mehr :D Du musst deine Augen immer offen halten, sonst verpasst du noch irgendwas Spannendes…) Nicht dass ich mich hier hätte ausschlafen können- die Kater haben mich (wie gewohnt) jeden Tag mitten in der Nacht aufgeweckt, da sie mit meinem Fuß spielen wollten (oder was weiß ich, was die mit meinem Bein vorhatten :D), und als ich endlich wieder einschlief, setzte sich der eine auf mein Gesicht, damit ich ihn streichele… Love is in the air..

Und was machen wir als Nächstes? Lautet die Frage.
Wir machen uns immer wieder hübsch, gucken verschiedene Dramas mit übelst nerviger Schleimmusik, gehen zum koreanischen Gottesdienst, wo wir die Einzigen sind, die davon gar kein Wort verstehen, trotzdem gibts food for free für uns alle, wir schauen uns einen schrecklichen Film von Matthias Schweighöfer an, aber es gibt wenigstens etwas ,das ganz positiv ist: dass er im Film komplett nackt erscheint oh-mein-deutscher-Gott (unter „komplett” verstehe ich genau das, woran ihr jetzt denkt ihr Perverslinge) wir meckern, dass wir Pleite sind, dann kaufen einen MAC Lippenstift, weil es gerade reduziert ist, kochen koreanische Gerichte, die wir in einer Minute fressen und dann gehts uns sowasvon schlecht, dann gibts Verdauungsspaziergang zum nächsten Monki, weil man beim Shoppen richtig gut verdauen kann .. (ist ja sicher medizinisch bewiesen, oder? Mit den Glückshormonen undso….)

Und was Schönes habt ihr heute so gemacht? Lautet die nächste Frage.
Ehm… Ähm… naja… Júdith sag schon was! Wir gucken in voller Verlegenheit auf die Andere, denken ganz lange nach, suchen nach möglichen Alternativen aber das Einzige, was uns einfällt ist: pennen. Oh scheiße, wir haben schon wieder den ganzen Tag nur gechillt, Mist!

Eigentlich bin ich froh, dass all meine Freunde komplett verrückt sind. Was sollte ich denn mit ihnen anfangen, wenn ich die Einzige in der Gruppe wäre, die nicht ganz normal ist?
Der Eine ist am Saufen, obwohl er noch nach Hause fahren muss aber er meint halt, dass Ebola noch immer viel gefährlicher ist, als angetrunken nach Hause zu fahren… (die Zeit litten alle Leipziger an chronischer Ebola-Angst, da der Leipziger Doktor aus Afrika mit Ebola zurückkehrte)
Der Andere erzählt, dass sein Hund in Korea höchstwahrscheinlich von einem Nachbarn gegessen wurde (???), dann gibt die Andere zu, dass sie einmal schon aus Versehen Hund gegessen hat, weil ihre Opa ihr glauben gemacht hat, dass es eine Ziege sei… iiiiii lecker

Leider vergeht die Zeit unglaublich schnell, so dass man es gar nicht bemerkt und man ist schon wieder im Bus auf dem Rückweg.
Wenn Leute mich fragen: Wo kommt du denn her? Bist du Ossi oder Wessi? Dann rutscht es fast immer aus, ich käme natürlich aus Leipzig, gottverdammt, ich bin doch Ungarin! Aber naja, Home is where your heart is.


Sonntag, 2. November 2014

A wasted life is worse than death



Everyday thoughts

Are you scared? Or are you not ready? There is a difference.
„Sometimes I remind myself that I almost skipped the party, that I almost went to a different college, that the whim of a minute could have changed everything and everyone. Our lives, so settled, so specific, are built on happenstance.”

You know whats fucking scary? The fact that I could literally change my life at any moment. I could stop talking to everyone that makes me unhappy. I could kiss whoever i want. I could shave my head or get on a plane or take my own life. Nothing is stopping me. The entire world is in my hands, and I have no idea what to do with it.

Imagine everything you ever wanted shows up one day and calls itself your life. And then just when you start to believe in it - gone. And suddenly it gets very hard to imagine a future. That’s depression, right?

You may not see it today or tomorrow, but you will look back in a few years and be absolutely perplexed and awed by how every little thing added up and brought you somewhere wonderful - or where you always wanted to be. You will be grateful that things didn’t work out the way you once wanted them to.

In school we learn that mistakes are bad, and we are punished for making them. Yet, if you look at the way humans are designed to learn, we learn by making mistakes. We learn to walk by falling down. If we never fell down, we would never walk.

Not everything is supposed to become something beautiful and long-lasting. Sometimes people come into your life to show you what is right and what is wrong, to show you who you can be, to teach you to love yourself, to make you feel better for a little while, or to just be someone to walk with at night and spill your life to. Not everyone is going to stay forever, and we still have to keep on going and thank them for what they’ve given us.
Say the wind blows. It can be a strong, violent wind or a gentle breeze. But eventually every kind of wind dies out and disappears. Wind doesn’t have form. It’s just a movement of air. You should listen carefully, and then you’ll understand the metaphor.
Sometimes you make choices in life and sometimes choices make you.

Samstag, 18. Oktober 2014

Servus Berlin!



Berlin, Berlin… mein Liebes!
Wie ich auf dich gewartet habe, wenn du das wüsstest…
Immerhin scheint diese Liebe gar nicht einseitig zu sein, denn die deutsche Hauptstadt hat mir das allerbeste Begrüßungsgeschenk gegeben. Ein kurzes, aber unvergessliches Date mit den berühmtesten Magdeburgern Deutschlands.

2005. Deutschland rastet wegen einer Band komplett aus, die gegen alle Regeln verstößt. Eine Band, in der der Frontmann wahrscheinlich doch ein Mädchen ist, das nicht einmal singen kann, dann gibts noch diesen komischen Burschen mit den lächerlichen Rastalöckchen, nichts zu schweigen von dem langhaarigen Bassist, der sich mit seiner Körperstruktur eher an einen Pornostar aus den DDR-Zeiten erinnern lässt; und da ist noch Gustav.
Diese vier Magdeburger haben ja die jungen, verrückten, unreifen Teenager-Girls in den Wahnsinn getrieben und ihre Emogefühle wieder ins Leben gerufen.
ACH LEUTE, CHILLT DOCH MAL.

2005. Kinga schaltet den Fernseher ein und sie hört sich das erste Mal einen deutschen Song an.

2009. Kinga fängt an deutsch zu lernen.

2010. Kinga legt die Sprachprüfung der Oberstufe ab.

2014. Kinga zieht nach Berlin. Die deutsche Mission ist nun erfolgreich erfüllt.

Achja, ich habe etwas vergessen zu erwähnen.

29.09.14. Kinga macht sich auf den Weg mit zwei Koffern nach Berlin, ja ganz allein. Ein Gewinnspiel findet am 29. September statt, an dem man aber nur mit deutschem Wohnsitz und deutscher Nummer teilnehmen kann. Ich komme um 7 Uhr an, komplett durch den Wind und unsicher. Ich sehe die Menschen am Berliner Hauptbahnhof und wünschte ich wäre eine von ihnen. Ich mache noch bei diesem Gewinnspiel mit, es soll meine letzte Tätigkeit des Tages sein. Ich gehe ins Bett mit hunderten unbeantworteten Fragen im Kopf.

30.09.14. Ich bin am Bürgeramt, um mich anzumelden. Nach 2 Stunden Warten bin ich dran, nun werde ich zu einer Berlinerin. Am Nachmittag erhalte ich eine Email.

„Herzlichen Glückwunsch, Kinga, du hast bei dem Universal Gewinnspiel gewonnen, du kannst am Donnerstag an der Pressekonferenz von Tokio Hotel teilnehmen”

 Ich verwandle mich in den glücklichsten Menschen auf der Erde. Ich sitze in meinem Bett und schreie so laut ich kann. Ich sage meiner Freundin Bescheid, sie kommt am nächsten Tag zur Pressekonferenz aus Ungarn mit.

02.09.14. In einer Stunde gehts los. Wir haben schon 5 Interviews gegeben. Das Hauptthema ist überall gleich: wir kommen aus Ungarn, wir haben wegen ihnen Deutsch gelernt.
Hinter uns stehen 2 sympatische Fans, die wir spontan ansprechen- so einfach kann man neue Freunde gewinnen.
12:30. Wir können endlich eintreten. Wir sind die VIP Gäste von Universal.
Wir setzen uns im großen Kino, wir warten diesmal auf die Jungs statt Transformers. Nach ein paar Videos und neuen Songs kommen sie endlich raus und setzen sich vor dem großen Publikum. Die Stimmung ist familiär, es fühlt sich so an, als wären wir eine große Familie.
Tokio Hotel mussten wir für 4 Jahre vernachlässigen, da die Zwillinge in die USA flüchteten und eine kleine Pause machten. Jetzt sind alle wieder da, jeder wirkt so erwachsen, auch sie, auch wir, wir sind aufgewachsen. Wir sind durch die Jahre mit ihnen aufgewachsen und sie stehen jetzt genau vor uns.

13:00: Die Autogrammstunde beginnt. In einer halben Stunde sind wir schon dran. Gustav sitzt da, die leiseste Person der Band fängt an sich mit meiner Freundin zu unterhalten. Er redet mehr als bisher in seinem ganzen Leben. SEEEHR GUT, SEEEHR GUT fügt er immer zufrieden hinzu, wenn er ein Cheerleading-Foto von meiner Freundin sieht.
Die nächste Station ist Tom. Meine Freundin erzählt, dass sie uns damals dazu angestachelt haben, mit Deutsch anzufangen und das hat unser ganzes Leben verändert. Wir wären ja gar nicht hier, wenn wir uns damals in sie nicht verliebt hätten. Er lächelt, sagt, dass wir gar keinen Akzent hätten, bedankt sich, dass wir Fans geblieben sind, umarmt uns und macht von uns SELBER ein paar Selfies. Hauptsache wir sehen wie Vollidioten aus, so machts echt viel Spaß.
Vor 4 Jahren habe ich mir vorgestellt, dass ich eines Tages vor der Person stehe, die mich immer inspiriert hat. Ich würde ihm dann sagen, wie geil ich das finde, was er macht. Würde ich es aber auf englisch sagen?? Kommt es nicht blöd vor, dass ich ihm so viel Schönes erzähle, aber selbst die Energie nicht habe, seine Muttersprache zu lernen? Nein. Ich muss Deutsch sprechen. Genauso gut wie er. 
Nach 4 Jahren stehe ich vor ihm und wir betrachten einander für eine Weile. Es muss eine Bestätigung von meinem Schicksal sein, dass es die richtige Entscheidung war, nach Deutschland zu ziehen. Denn in diesen 5 Minuten erzähle ich ihm alles, was mir an dem Herzen liegt. Sei die Rede vom Deutschlernen oder vom Auswandern. Ich sage ihm auch Bescheid, dass ich sogar am Bürgeramt war, und dass ich 16 Uhr einen Termin bei der Sparkasse habe. (Weil er sich dafür sicher sehr interessiert?! xD) Ich bin also noch ganz neu und jung hier, weiß nichts von der Welt, bin selbst bisschen schüchtern und unsicher, aber ich bin auf dem guten Weg und er bestätigt das auch, dass es eine positive Sache war, nach Berlin zu ziehen. Er wünscht mir viel Glück mit meinem Leben, umarmt mich und schickt mich zu Georg. Ich habe schon alles erzählt, was ich wollte, deswegen frage ich Georg, ob es nicht zu anstrengend ist, mit so vielen Fans nett zu sein. Er sagt nein nein, gar nicht, alles klar, seine fröhliche Art erinnert mich an meinen gutgelaunten Chef. Wir geben noch zwei schnelle Interviews für RTL und Pro7, sagen noch kurz Tschüss und wir sind weg. Als hätten wir grade von unseren besten Kumpels Abschied genommen, es fühlt sich ganz natürlich an.

Vielleicht ist es tatsächlich ein Bullshit, oder ich bin einfach wirklich nicht normal. Wie alle Anderen, deren Leben von den Jungs beeinflusst worden war. Es kommt aber nicht drauf an, was oder wen man mag, es spielt keine wichtige Rolle. Letzten Endes sind wir alle nur Menschen, mit unseren Fehlern und Macken, niemand ist besser oder schlechter. Aber Tatsache ist, dass wir eine Wirkung aufs Leben Anderer haben, vielleicht ist es nur ein Song oder ein Videoclip, was uns weiterbringt oder uns den richtigen Weg zeigt.
Es ist mein Weg, hier muss ich sein. Ich hätte schon immer hier sein sollen.