Freitag, 19. Dezember 2014

Everything is amazing and nobody is happy

Vor einigen Tagen war dieser Moment wieder da. Der Moment, der mich in die Vergangenheit transportierte. Auslöser war dieser Artikel, der das bunte Modeleben in Berlin beleuchtet. Ich fing sofort an, an meine Kindheit und meine damaligen Vorstellungen zu denken und in alten Erinnerungen zu schwelgen.
 

Ich war fünf, als ich zum ersten Mal eine Fashion Show im TV gesehen habe. Ich kann mich noch daran klar erinnern, wie überwältigt ich war und daran auch, dass ich die Models für Göttinnen gehalten habe, die auf dem Laufsteg in den dünnen Seidenkleidern  wie schwerelose Engel liefen. Meine Mutter hat auf die Mode immer einen besonderen Akzent gelegt, und meine Kleidungsstücke immer sorgsam sortiert, als ich noch klein war und noch keinen einzigartigen Stil entwickelt habe. Sie war immer die Hübscheste (wie heute noch immer), die Männer haben sich jedes Mal umgedreht, als sie auf der Straße ging, für mich hat genau das die Mode bedeutet, bis es mir klar wurde, dass hinter den Trends viel mehr als hunderte tiefbeeindruckte Männer steckt. Seitdem bin ich daran hochinteressiert, und versuche jedes Mal meine Persönlichkeit in meinen Kleidungsstil zu setzen. Aber darum gehts genau im Leben: dich selbst zu präsentieren und dadurch andere zu inspirieren. Wenn das so einfach wäre…!
Ich verbringe unglaublich viel Zeit damit, mich selbst zu finden. Wie ich wirklich bin? Ehrlich gesagt habe ich gar keine Ahnung von mir selbst. Ich betrachte die Menschen ganz oft als wären sie verschiedene Charakter eines Filmes, aber ich könnte mich selbst nie definieren. Als wäre ich kein echtes Individuum, ich habe so viele unterschiedliche Eigenschaften, dass es mir wirklich schwer fällt, einen Ausdruck zu finden, der alles von mir sagen würde. Deswegen muss ich mich jedes Mal fragen, wenn es um die Mode geht: ist es wirklich ich? Kann ich mich darin wiederfinden, oder gefällt es mir einfach nur? Viele Sachen können uns gefallen, was aber zu uns passt, ist natürlich eine ganz andere Frage.
Die s.g. Tagesmode lässt sich aber in manchen Ländern etwas zu wünschen übrig. Diesmal muss ich als Beispiel Ungarn erwähnen, weil es der einzige Ort neben Deutschland ist, den ich von innen und außen kenne. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, wo man nicht hübsch genannt wird, wenn man sich „nur” schick verkleidet. Das Schlimmste war zuzugucken, wie verzweifelt die kleinen Mädchen in der Schule versuchten, den Jungen irgendwie aufzufallen. Deshalb kauft jede Fünfzehnjährige schwarze Stiefeln mit hohem Absatz, kurze Röcke und glänzende pinke Shirts mit riesigem V-Ausschnitt… Da läuft mir Kälte über den Rücken runter, wenn ich nur daran denke grr! Kein Wunder, dass ich mit meinen Nietenboots, zerrissenen Jeans und schwarzen Pullis eine richtige Außenseiterin war. Natürlich hat mich bisher auch keiner bemerkt, so ein Aussehen, das ich hatte, war dort nämlich nie „in”.
Aber es hat sich in positivem Sinn viel verändert, seit ich nach Berlin gezogen bin. Es riecht nach Mode überall auf der Straße, sei die Rede von F-hain oder Kreuzberg, hier kannst du hübsch, verrückt, einzigartig, sexy, vintage, grunge, oder einfach nur komplett durchschnittlich sein, dein Körper, deine Entscheidung. Es gibt keine Grenzen, keine Regeln, du bist derjenige, der alles im Griff hält. Hier braucht man keinen Trends zu folgen, man macht das alles schon von alleine. Und das ist nur der Anfang! Berlin wächst, Modeblogger geboren, Firmen entwickeln sich, es wird immer mehr in Fashion Weeks investiert, Mode ist nun zu einem Lebensstil geworden und es ist seit langem kein spießiges Hobby mehr.

Nun bin ich endlich angekommen. Hier bin ich aber zu Hause! Und ihr könnt mich nicht mehr loswerden ;) Dank meiner Weihnachtsstimmung habe ich ein paar alte Fotos herausgekramt, die ich mit euch auf jeden Fall mitteilen wollte. Wie stark Erinnerungen auf Fotos sein können! Als wäre es gestern gewesen, als diese Fotos gemacht worden sind! Deswegen mag ich Fotografie so sehr: was man einmal im Bild festhält, bleibt immer unberührt.

Samstag, 13. Dezember 2014

Stuck in Circumstances



-10 Grad in meinem hübsch gestalteten Zimmer. Jemand hat wieder vergessen, die Heizung anzumachen, und weil ich allein wohne, muss ich mir selbst die Schuld geben. Der Wind weht, als würde irgendjemand gerade eine riesige Mülltone zur Seite stellen, so muss ich die Musik lauter drehen. Sorry Nachbarn. Das kann wohl der gnadenlose, russische Wind vom Osten sein, der uns Anfang dieses Winters auch mit etwas Regen begrüßt, sagen sie. Meine Blase schreit nach Thermostrumfphosen, wenn ich nur daran denke, wie viele arschkalte Nächte ich überleben soll, wenn ich wie eine Verrückte, komplett verballert zur Arbeit nach TXL renne.
Gedankenverloren stopfe ich noch die letzten Tropfen Karottensaft in mich rein, und versuche es möglichst schnell runterzuschlucken, damit der eklige Geschmack meinen Verstand nicht erreicht. Der unerträgliche Geschmack der Jahre, als ich unter Gluten- und Laktosenallergie litt, und ich konnte fast nichts vertragen außer natürlich die ekligen Obst- und Gemüsesäftchen. Ich sehe noch immer meine Mutter vor mir, wie heftig sie mir zu erklären versucht, wie wichtig Vitaminen für meine Gesundheit sind. Ich habe mich jedes Mal gefragt, wie ein so ekliges Ding meinem Körper überhaupt gut tun kann. Dann ab in die Küche, wo ich verzweifelt nach irgendwas in dem Kühlschrank suche, das noch nicht verdorben oder grün ist. Ich finde nur einen Milchreis, der im August abgelaufen ist. Na, es geht noch.
Ich bekomme plötzlich eine SMS, die bestimmt von der Schichleitung kommt. Andere kriegen Liebesnachrichten von ihrem Crush, mich ruft ohne Scherz nur die Schichtleitung an: „Morgen bitte um 4:30 da sein. Bis denn.”
Aber diesmal ist ein Freund von mir dran, der mich dazu verpflichtet, zu einer spießigen Party mitzukommen.
„Ich bin aber beschäftigt!!” Lautet die Antwort.
„Aber du bist doch nicht am Online-Shoppen oder?”
Seit ich meine große Liebe zu Online-Shopping Stores entdeckt habe, bin ich eigentlich nur noch am Surfen. Sorry guys, ich habe keine Zeit, Kaffee trinken zu gehen oder sonst was, ich gucke lieber leidenschaftlich auf die Webseite von Esprit, in der Hoffnung, dass ich mich stoppen kann, bevor ich meinen ganzen Monatsgehalt (schon wieder) für Klamotten ausgebe.
„Papa, ich kann mir kein Brot leisten, weil ich neue Schuhe gekauft habe”
Aber wisst ihr was, ich habe immer die beste Ausrede, wenn es um Shoppen geht.
„Mecker nicht, ich muss doch Weihnachtsgeschenke kaufen?!”

/Kennt ihr das?
„You are always online. You should go more often outside.
 Okay, just send me the link to it.”- ich hätte es selber nicht schöner sagen können, trifft bei mir hundertpro zu./
Ich nehme die Partyeinladung an, man will ja in Berlin nichts verpassen.

Auf dem Hinweg lassen mich rausgekotzte Döner mit etwas Wein daran erinnern, dass es wieder Samstag ist. Die Zeit vergeht einfach so schnell, die Wochen verfliegen, ohne dass ich die Veränderung bemerken würde. Ich steige aus und sehe all die Jugendlichen, die sich herausfordernd angezogen in den nächsten Club beeilen. Ein paar Minuten später lerne ich die italienischen Freunde meiner Kumpels kennen und wir alle landen in einer Fete, wo unsere Altersgenossen fröhlich auf die gut gekannten R&B Songs mit aussagekräftigen und vor allem abwechslungsreichen Texten tanzen wie: „I .… that .….”, „I show you my ….”,  „you can …. me …..”, und es geht so weiter bis zum Ende der Welt.
Der eine von den Italienern zog mich zu sich und beweist nach langem Zögern, dass mein Lippenstift doch nicht kussecht ist. Shit, schon wieder reingefallen. In der Disko herrscht das reinste Chaos, die Bewegung der Menschenmenge erinnert mich an, im Sterben liegenden Makrelen, die vom Wasser rausgezogen werden. Ich frage mich manchmal, ob ich überhaupt von dieser Welt bin. Aber ganz oft scheint es mir so, dass wir alle von verschiedenen Welten kommen, die gar keine Ähnlichkeit besitzen.

Ich weiß, dass es krank ist. Dass irgendetwas in der Welt nicht stimmt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Dass es nicht normal ist. Dass wir alle auf der Suche sind nach irgendetwas, was wir vielleicht niemals finden, und auch wenn wir wüssten, dass es sinnlos ist, würden wir trotzdem weitermachen. Aber es ist mir egal.
Es ist 3 Uhr morgens, und ich kann nicht schlafen. Ich habe hier noch zu tun. Ich muss schreiben.

Samstag, 6. Dezember 2014

Wake me up when december ends



„Frau Ovari, waren Sie schon immer so schlank?” fragt mein Chef mit Verzweiflung in seiner Stimme, als ich eine riesige Käse-Schinkenstange (schon die dritte am Tag) in meinen Mund stecke und sie mit Überschallgeschwindigkeit verputze. Ich nicke stumm wie ein hungriges Eichhörnchen, das gerade aus dem Winterschlaf erwacht ist, und knabbere mein Snack mit Vollgas weiter.
„Liegt sicher an Ihren Genen?!”
Ich lasse ihn wissen, dass ich noch dazu unglaublich viel esse (und darunter verstehe ich keinen Salat oder Ziege-Nährmittel…), und obwohl mich meine ehemalige Klassenlehrerin ständig verdächtig beobachtet hat, habe ich noch nie im Leben eine Diät durchgemacht. (Vielleicht ist es die einzige Sache auf der Welt, die ich tatsächlich nicht machen könnte.)
„Ja, reiben Sie mir noch unter die Nase, dass Sie nicht zunehmen können! Andere nehmen schon beim Anblick eines Muffins 3 Kilos zu!”
Und tja, Advent, Advent, ein Lichtlein brennt blabla, Weihnachten steht vor der Tür, das heißt: bald wird man hier richtig fett! Und auch noch Pleite. Aber sauglücklich.
Ich kann es persönlich tatsächlich nicht leugnen, dass bei mir alles sich ums Essen dreht. Es macht unglaublich viel Spaß, ständig am Kauen zu sein, ich träume sogar von riesigen Pizzas und teuren Restaurants, von denen ich keine Ahnung habe, weil ich sie dank meines dünnen Portemonnaies immer nur von außen bewundern durfte.
Meine Mutter betont, dass ich ein sehr gutes Kind war, jedes Mal, als ich zickig geworden wäre, hat sie mir eine Packung Haselnuss in die Hand gedrückt und ich konnte einen Bissen  stundenlang „analysieren”, ohne ein schlechtes Wort zu sagen. So ist es halt bei Genießern.

GIVE ME FOOD AND I’LL BE OKAY.

Ich habe die Vollzeitblogger immer beneidet, die uns auf ihrem Blog immer wieder mit neuen selbstgetesteten Rezepte überraschen lassen, weil ich höchstens ein „How no to cook” oder „So dürfen deine Macarons nicht aussehen” Video drehen könnte. Aber ich gebe mir Mühe. Oh Leute, wenn ihr wüsstet, wieviel Mühe ich mir gebe! Vor allem, seit ich genau weiß, dass meine Mutter meinen Blog liest und ihre Deutschkenntnisse entwickeln sich rasch; ich bin mir sicher, dass sie langsam auch einen Blog eröffnet :D Also dieser Post (zumindest dieser Teil des heutigen Posts) ist für meine Eltern, damit sie sich beruhigen und vergewissern können, dass ihre Tochter sich gesund ernährt. Wenn man von Zuhause wegzieht, erkennt man ganz schnell, dass das schöne, ungestörte Leben vorbei ist und jetzt muss man für sich selber kochen. (und dann auch noch abwaschen iiiiih) Das ist das Schicksal jeder selbständigen Frau, die keine Fast-Food-Vergiftung (mehr) erleiden will.

November on my Instagram
1.Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz genießen
2. Sushi is always the answer
3. Halloween is the night
4. Wunderschönes Potsdam
5. Winteroutfit part 1
6. Schwesterliebe
7. Winteroutfit part 2
8. Currywurst is life
9. Frauenpower in Leipzig with my bitches
10. Meine Begrüßungsparty in Leipzig 

11. Herbstoutfit
12. Don't talk to us in the U-Bahn
13. Niedliche Aufnahmen in meinem Fenster
14. With my girl
15. The best day of my life
16. Selfie with the King of Suburbia


FAVOURITES IN NOVEMBER

Ja, auf dem Bild ist meine Hündin zu erkennen. Und ich vermisse sie so höllisch, ihr könnt euch das gar nicht vorstellen. Es ist wie ein Tag ohne Sonne oder ein Meer ohne Fische, ich bin so einsam ohne sie. 6 Jahre lang habe ich sie jeden Tag in die Arme genommen und jetzt gibts es 700km zwischen uns und ich schaue tatenlos zu, wie sie fröhlich in dem Wohnzimmer rumläuft, wenn ich mit meinen Eltern skype. Sie hört mich nicht einmal, sie weiß nicht, dass ich jetzt weggezogen bin und dass sie mich ganz selten zu sehen bekommt. Aber sie fühlt, dass etwas nicht mehr da ist. 
Bevor ich losheule, will ich euch Edingershops.de vorstellen, wo ihr ganz viele Schönheiten für euren Hund finden könnt. Dieser Shop ist vielseitig, da gibts also verschiedene Schönheiten nicht nur für Hunde, aber ich halte es für sehr wichtig, dass auch meine Hündin zu Weihnachten das bekommt, was sie verdient. Und da bin ich nicht geizig, weil ich ja das Beste für mein Tier will. Und wer keins hat, kann ja trotzdem vorbeischauen und etwas Anderes für sich oder für die Verwandten aussuchen. 

Sonntag, 30. November 2014

I may be troubled but I'm gracious in defeat



„Als ich nach einem simplen Abendessen auf die Veranda hinausgehe, funkeln über mir unzählige Sterne. Sie scheinen nicht fern am Himmel zu stehen, sondern zum Greifen nah zu sein. In keinem Planetarium gibt es so viele Sterne. Einige sind umheimlich groß und deutlich zu sehen. Als bräuchte ich nur die Hände auszustrecken, um sie zu berühren. Die Schönheit dieses Anblicks nimmt mir schier den Atem. Aber nicht allein die Schönheit. Ja, denke ich, die Sterne leben und atmen, ebenso wie die Bäume im Wald. Und sie sehen mich. Sie wissen, was ich getan habe und was ich noch tun werde. Ihren Blicken kann ich nicht entfliehen. Unter diesem funkelnden Himmel befällt mich abermals die Angst. Ich bekomme keine Luft, und mein Herz rast. Mein ganzes Leben lang bin ich von dieser erschreckenden Anzahl von Sternen beobachtet worden und habe nichts davon gemerkt. Nicht ein einziges Mal habe ich bisher richtig über die Sterne nachgedacht. Und das gilt nicht nur für die Sterne. Wie viele Dinge es wohl noch auf der Welt gibt, von denen ich nichts weiß und die ich nicht bemerkt habe? Bei diesem Gedanken empfinde ich eine hoffnungslose Ohnmacht, eine Ohnamcht, der ich nicht entkommen kann.”
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„Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. Wieder änderst du die Richtung. Und wieder schlägt der Sturm den gleichen Weg ein. Dies wiederholt sich Mal für Mal, und es ist, als tanztest du in der Dämmerung einen wilden Tanz mit dem Totengott. Sturm ist jedoch kein beziehungsloses Etwas, das irgendwoher aus der Ferne heraufzieht. Eigentlich bist der Sandsturm du selbst. Etwas in dir. Also bleibt dir nichts Anderes übrig, als dich damit abzufinden und, so gut es geht, einen Fuss vor den Anderen zu setzen, Augen und Ohren fest zu verschließen, damit kein Sand eindringt, und dich Schritt für Schritt heruaszuarbeiten. Vielleicht scheint der auf diesem Weg weder Sonne noch Mond, vielleicht existiert keine Richtung und nicht einmal die Zeit. Nur winzige, weiß Sandkörner, wie Knochenmehl, wirbeln bis hoch hinauf in den Himmel. So sieht der Sandsturm aus, den ich mir vorstelle.
Natürlich kommst du durch. Durch diesen tobenden Sandsturm. Diesen metaphysischen, symbolischen Sandsturm. Doch auch wenn er metaphysisch und symbolisch ist, wird er dir wie mit tausend Rasierklingen das Fleisch aufschlitzen. Das Blut vieler Menschen wird fließen, auch dein eigenes. Warmes, rotes Blut. Du wirst dieses Blut mit beiden Händen auffangen. Es ist dein Blut und das der Vielen. Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms.”
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„Alles ist eine Frage der Vorstellungskraft. Unsere Verantwortung beginnt in der Vorstellung. Yeats hat einmal geschrieben, >In dreams begin responsibilities< Die Verantwortung beginnt im Traum.
Irgendjemand ist der eigentliche Urheber dieses Traums, aber du hast seinen Traum geteilt. Daher musst du für das, was in diesem Traum geschehen ist, Verantwortung übernehmen. Denn schließlich ist es dem Traum gelungen, sich über die dunklen Pfade in deiner Seele bei dir einzuschleichen.”

/Haruki Murakami, Kafka am Strand/

BACKPACK: Persunmall , SHOES: Vagabond

Dienstag, 25. November 2014

Small things



Nimmst du regelmäßig deine Vitaminen?
Isst du jeden Tag Obst und Gemüse?
Gehst du spazieren auf die frische Luft?
Treibst du Sport?
Trinkst du viel Tee?
Ende Oktober kommen meine Eltern, um mich zu besuchen und die Wohnung ist voller Lebendigkeit und Verzweiflung, was meine Alltagsroutine betrifft. Meine Mutter achtet mal nämlich darauf, die oben genannten „Sicherheitsfragen” möglichst tausendmal am Tag zu stellen und dabei meinen Gesichtsausdruck zu fixieren, falls ich vielleicht, aus irgendeinem verrückten Grund dazu neigen würde, sie anzulügen. (Ich weiß schon, über Vitaminen zu lügen ist kindisch und erbärmlich, ich schäme mich!) Es ist schließlich gar nicht egal, ob ihre Tochter ein komplett gesundes Leben führt, oder sich auf ihrem Arbeitsplatz hin und wieder mit verschiedenen Leckereien von Burger King befriedigen lässt. (Da kriegt man doch auch Mitarbeiter-Rabatt und nicht nur für Salate für Ziegen höchtens mee…) Oder es besteht die Möglichkeit, dass man sich ZUFÄLLIG mit den besten koreanischen Fertiggerichten vollstopft, was natürlich keiner macht und wär man doch doof, 3€ für eine Suppe zu bezahlen, dafür sind wir alle bestimmt zu geizig oder?

Nachdem ich die „Alltagsprüfung” bestanden habe, ohne eine Miene zu verziehen, kann ich mal langsam über alles Mögliche eine aussagekräftige Präsentation halten, was mir zuletzt passiert ist. Wie, wann, wo, wieso, mit wem und warum. Alles kommt in Frage, was man sich nur vorstellen kann: meine Wohnungsmiete, meine Mitbewohnerin, die noch gar nicht bei mir wohnt, der Typ, der mir 5€ Trinkgeld gegeben hat, die hübschen Mitarbeiter am Flughafen, die immer ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern, meine immer wieder zurückkehrende Blasenentzündung (heyho, willkommen zurück mein alter Freund), der komische Mann, der mich jeden Tag zum Flughafen verfolgt, meine bleichen Zukunftspläne, die manchmal komplett zu verschwinden scheinen, und meine, ein Leben lang haltende Machtkampf mit dem Kölner Rundfunkbehörde, und die machen mich zu der meist erlebten Frau unseres Jahrhunderts- behaupten meine Eltern zumindest.
Auch wenn meine Familie sich in Deutschland ein bisschen verloren fühlt- was ich eigentlich komplett nachempfinden kann- gibt es trotzdem eine bestimmte Sache, die sie aus Ungarn mitbringen. Die ungarische Mentalität. Sei die Rede von meinem Vater, der tausendmal nachfragt, was Pommes heißt, obwohl er schon die ganze Woche Pommes gegessen hat, der verzweifelt nach kostenlosen Parkplätzen in Friedrichshain sucht, und sich ganz lange beschwert, weil ich für einen Jutebeutel 8€ ausgegeben habe, nicht zu schweigen von meiner Schwesti, die für ein Stück Apfelkuchen 3,50€ bezahlt, um dann später das Ganze in den Müll zu werfen, weil sie doch keinen Hunger hat, oder sei die Rede von meiner Mutter, die mich plötzlich für ein lebendes Wörterbuch hält, und in der Küche nach der Bedeutung jedes einzelnen Dinges fragt: was heißt scharf? Was ist Kümmel? Was bedeutet Pilz?
Jede Frage bestätigt die Tatsache, dass ich wirklich weg bin. Willkommen in meiner Welt.